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KzV – Juli 2017

Kommentar zur Vermögensanlage – Juli 2017

Draghi rettet den Euro – und die Inflation frisst die Zinsen

Die Deutschen Sparer sind traditionell sicher-heitsorientierte Kapitalanleger. Das ist allseits bekannt. So verwundert es auch nicht weiter, dass sie nach wie vor rund 40 Prozent ihres Geldvermögens auf Spar- oder Festgeldkonten horten. Warum auch nicht? Diese Anlageform rentierte zwar schon immer etwas niedriger als Anleihen oder Aktien. Dafür gilt dieses Segment aber als sicher und das Geld steht bei Bedarf kurzfristig zur Verfügung. Im Ergebnis konnten die meisten Sparer mit einem durchschnittlichen historischen Festgeldzins von um die zwei bis drei Prozent ganz gut leben.

 

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Doch nun haben sich die Zeiten radikal geändert. Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf dem Nullpunkt. Schon seit geraumer Zeit qualmt die europäische Notenpresse und die EZB pumpt Monat für Monat gewaltige Summen in den Geldmarkt. Finanzielle Repression, so nennen es Volkswirte, wenn Notenbanken mit Absicht die Zinsen niedriger halten als die Inflationsrate. Doch was bedeutet für den Sparer?

Mit einem nominalen Nullzins können die meisten Anleger wahrscheinlich noch einigermaßen gut leben. Doch Sie übersehen dabei gerne ihren inflationsbedingten Kaufkraftverlust. Wenn der sogenannte Realzins – die Differenz zwischen Zinssatz und Inflationsrate – negativ ist, werden die Ersparnisse der Bürger täglich weniger wert. Wer heute zum Beispiel 100 Euro hat und sich dafür beim Bäcker 100 Teilchen kaufen kann, bekommt ein Jahr später bei 2% Inflation halt nur noch 98 Teilchen für das gleiche Geld.
Je länger eine finanzielle Repression andauert, desto stärker profitieren die Schuldner. Da der größte Schuldner meistens der Staat ist, sinkt bei einem negativen Realzins auch der reale Wert der Staatsschulden. Und wenn die Zeit des negativen Realzinses nur lange genug dauert, können so auch die riesigen Staatsschuldenberge spürbar schrumpfen. Doch die Freude des Einen ist natürlich häufig auch das Leid des Anderen. Das Geldvermögen der Bundesbürger wird momentan so stark entwertet, wie schon lange nicht mehr.

In nachstehender Grafik haben wir die Wertentwicklung eines Festgeldguthabens seit 2010 dargestellt. Ausgehend von einem Anfangsguthaben in Höhe von 100 Euro wurde bis heute durch Zinserträge ein Endguthaben von rund 102,60 vor Steuern) erreicht. Nach Abzug der Inflationsrate beträgt die reale Kaufkraft dieses Endguthabens allerdings nur noch rund 94,10 Euro. Seit 2010 hat ein typischer Festgeldanleger zwar nominal mehr auf dem Konto, davon kann er sich aber spürbar weniger kaufen.

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Schon heute ist klar, dass auch 2017 ein schlimmes Jahr für Festgeldanleger wird, denn die EZB hält eisern an ihrer Nullzins-Politik fest. Bei einer aktuellen Inflationsrate von 1,9 Prozent bleiben dann am Jahresende 2017 von 10.000 Euro real nur noch 9.810 Euro übrig. Doch es kann natürlich noch schlimmer kommen: Wenn die Inflation weiter steigt und zehn Jahre lang bei rund 2,5% Prozent bleibt, dann geht den Sparern in einem Nullzinsumfeld rund 25% an realer Kaufkraft verloren.

Klassisches Sparen wird in solch einem Umfeld faktisch zu einer „unmöglichen Angelegenheit“.

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